Düsseldorf, 11.12.2020: Wenn Menschen mit Behinderungen ins Krankenhaus müssen, brauchen sie in der Regel eine besondere Pflege und Unterstützung. Die Kompetenzzentren Selbstbestimmt Leben (KSL.NRW) wollen Pflegende in der neuen generalistischen Pflegeausbildung unterstützen, um Unsicherheiten bei der Kommunikation und Interaktion mit Menschen mit Behinderungen im Pflegealltag zu reduzieren. Das bringt Patient*innen Sicherheit und Pfleger*innen Selbstbewusstsein. Ganz im Sinne des Buchtitels: Vielfalt Pflegen! Das neue Praxishandbuch baut erstmals eine Wissensbrücke zu einer inklusiven Gesundheitsversorgung und einem inklusiven Gesundheitssystem. Menschen mit und ohne Behinderungen kommen darin mit ihren Erfahrungen und ihrem Know-how zu Wort. Fachleute aus der Praxis waren am Entwicklungsprozess beteiligt. Es zielt insbesondere auf Ausbilder*innen und Auszubildende in Pflegeschulen in NRW, ist aber ebenso als tägliche Informationsquelle für Pflegende in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen konzipiert. Die NRW-Behinderten- und Patientenbeauftragte, Claudia Middendorf, hat den KSL.NRW zur Buchveröffentlichung am 11. Dezember 2020 – Corona bedingt – symbolisch im Internet gratuliert und ebenso mit Symbolkraft an die stellvertretende Pflege-Leiterin der Berufsakademie Volmarstein, Silvia Jung, übergeben.

Inklusive Gesundheit ist ein Schwerpunktthema der KSL.NRW. Mit ihrem Praxishandbuch Vielfalt Pflegen bauen sie eine Wissens-Brücke für Pflegende zu einer inklusiven Gesundheitsversorgung und einem inklusiven Gesundheitssystem.

  • Die herausgebenden KSL verstehen den Start der generalistischen Pflegeausbildung im Jahr 2020 als Hebel, relevantes Wissen dort zu verankern, wo Pflege beginnt: in den Pflegeschulen Nordrhein-Westfalens.
  • Das 280-Seiten umfassende Werk sieht Lehrende, Lernende und Praktizierende als Schlüsselfiguren bei der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention, die unsere Gesellschaft zu einem „Höchstmaß an Gesundheit und Gesundheit ohne Diskriminierung aufgrund von Behinderung“ verpflichtet.
  • Die KSL.NRW gehen aktiv auf alle Pflegeschulen Nordrhein-Westfalens zu, um sich für die Nutzung des Praxishandbuchs im Unterricht stark zu machen. Zusätzlich begleiten sie diese Kampagne Corona bedingt vor allem in den sozialen Medien mit einer Aktionswoche vom 6. bis 12. Dezember 2020.

Statements zur Sache und zum Buch

„Mit diesem Praxishandbuch würdigen die KSL die Schlüsselrolle der Pflegenden für ein inklusiveres Gesundheitssystem“, sagt die Beauftragte der Landesregierung für Menschen mit Behinderung sowie für Patient*innen in NRW, Claudia Middendorf.

Sie übergibt das Buch symbolisch an Silvia Jung. Die Diplom-Pflegepädagogin leitet den Fachbereich Pflege an der Bildungsakademie Volmarstein in Hagen und war seit Konzipierung des Praxishandbuchs der KSL.NRW im Juni 2019 Fürsprecherin eines solchen Werks: „Professionelles Unterrichtsmaterial gab es für die Interaktion und Kommunikation mit Menschen mit Behinderungen noch nicht. Das Praxishandbuch Vielfalt Pflegen kommt im Zuge der generalisierten Pflegeausbildung dieses Jahr genau richtig. Das Material sensibilisiert und unterstützt Pflegende selbstbewusster im Umgang mit Menschen mit Behinderungen zu werden.“

Chico Elmar Goepel ist ein Mensch mit anderen Lernmöglichkeiten. Der Begriff istnoch nicht überall bekannt. Menschen mit anderen Lernmöglichkeiten lehnen die Bezeichnungen ‚geistig behindert‘ oder ‚Menschen mit Lernschwierigkeiten‘ jedoch häufig ab. Warum das so ist, erfährt man auch im Praxishandbuch. Goepel kommt darin als Experte mit diesen Erfahrungen im Gesundheitssystem zu Wort: „Schwierige Informationen wie lateinische Begriffe und bei der Medikamentengabe sind für mich sehr schwer zu verstehen. Dafür brauche ich meinen Assistenten.“

Dr. med. Jörg Stockmann, Chefarzt der Klinik für Inklusive Medizin am Ev. Krankenhaus in Hagen, ist auch Interviewpartner im Praxishandbuch. Er fordert: „Jeder Arzt muss an seiner Haltung arbeiten und sich fragen: ,Was kann ich dafür tun, dass dieser Mensch mit seiner individuellen Behinderung zu seinem Recht kommt, dass er seine Fragen stellen kann, dass ihm die Zeit gegeben wird, sich zu äußern? Und natürlich halte ich die fachliche Fortbildung für immanent wichtig.“

Der Inhalt und die Entstehung des Praxishandbuchs entsprechen dem Konzept der KSL.NRW, dass Menschen mit und ohne Behinderungen beteiligt sind.

Menschen mit Behinderungen, ihre Eltern, Pflegende und Fachleute aus Forschung und Medizin kommen als Expert*innen mit ihren Erfahrungen oder ihrem Know-how zu Wort.

Markus May ist als Teilprojektleiter verantwortlich für die Kampagne Inklusive Gesundheit bei der KSL-Koordinierungsstelle Ko-KSL: „Gesundheit ist eine wesentliche Voraussetzung, um am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können. Wobei immer daran zu denken ist, dass die Behinderung keine Krankheit ist, die es zu heilen gilt, sondern ein Merkmal der individuellen Persönlichkeit. Wir wollen mit dieser Kampagne zur Bewusstseinsbildung beitragen, neues Wissen schaffen und es an der richtigen Stelle vermitteln.“

Andreas Tintrup, Projektleiter des KSL Arnsberg: „Durch den Austausch, der durch das Buch zustande gekommen ist, ist etwas Neues erwachsen. Allein die Gespräche mit Dr. Stockmann und Frau Jung hat schon viel in Bewegung gebracht. Durch unseren Vertrieb der Praxishandbücher, der nun NRW-weit von statten geht, kommen wir mit den Pflegeschulen ins Gespräch und vernetzen uns.“

Weitere Informationen sowie die Kontakte zum Projekt 
Alle relevanten Informationen zur Buchveröffentlichung finden Sie auf der Webseite https://www.ksl-nrw.de/de/inklusive-gesundheit 
• Gerne vermitteln wir Ihnen Interviewpartner oder einordnende Kontakte.
• Das Buch ist kostenfrei erhältlich. Im Fokus des Vertriebs stehen die Pflegeschulen Nordrhein-Westfalens.

Mehrere Ausgaben der Broschüre KSL-Konkret #4 Vielfalt Pflegen