Jedes Jahr am 5. Mai ist der Europäische Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung. Wir möchten diesen Tag nutzen, um Annette Jablonski, Künstlerin mit Beeinträchtigung aus Düsseldorf, vorzustellen. Sie hat mit uns über ihre künstlerische Tätigkeit, Möglichkeiten der Teilhabe und die Haltung vieler Menschen zum Thema Inklusion gesprochen.

Portrait Annette Jablonski

Annette Jablonski lebt seit ihrem achten Lebensmonat mit einer Tetraspastik, die sich an allen vier Extremitäten äußert. 1991 mit ihren Eltern von Polen nach Deutschland gezogen, ist sie 1995 in eine WG für Menschen mit Beeinträchtigungen gezogen. „Dort habe ich gelernt, wie jeder andere Mensch, alleine zu Leben mit allem was dazugehört“ berichtet Annette Jablonski. 

Vor rund zwanzig Jahren hat sie ihre Liebe zur Kunst entdeckt und diese stetig ausgebaut. Die 43-Jährige arbeite mit einer 2000 Jahre alten Maltechnik aus Ägypten und Griechenland - Enkaustik genannt - bei der man mit Bienenwachs, das mit Farbpigmenten gefärbt worden ist, malt. Dieser wird im Anschluss mit unterschiedlichen Hilfsmitteln, zum Beispiel einem Maleisen, einem Encaustic-Pen oder einem Heißluftgerät aufgetragen und bearbeitet

Die künstlerische Tätigkeit hat sich positiv auf viele Bereiche in meinem Leben ausgewirkt. Ich habe viele interessante Menschen kennengelernt, gehe inzwischen selbstbewusst auf andere Menschen zu und knüpfe immer wieder neue Kontakte. Seit dem ich dieser kreativen Tätigkeit nachgehe, fühle ich mich als gleichwertiger Teil der Gesellschaft,“ betont Annette Jablonski.

Möglichkeiten zur Teilhabe

Derzeit stellt sie einige ihrer Werke in der Färberei in Wuppertal, Zentrum für Integration und Inklusion, aus. Ins Auge fällt vor allem das aus drei Teilen bestehende Bild. Ein Rollstuhlfahrer streckt seine Arme zu zwei anderen Personen aus: 

Bild von Annette Jablonski

„Ich habe einen Auftrag bekommen, ein Bild zum Thema Selbstbestimmtes Leben mit Behinderung anzufertigen. Ich habe mich unter anderem für einen Rollstuhl als Symbol entschieden, da dieser für die meisten Menschen immer noch stets mit Behinderung in Verbindung gesetzt wird. Der Kontext zwischen den Rollstuhlfahrer und den anderen dargestellten Personen soll das Miteinander und die Möglichkeiten zur Teilhabe und Selbstverwirklichung ausdrücken,“ erklärt Annette Jablonski. „Von der Entwicklung bis zur Umsetzung meiner Idee hat es vier Monate gedauert. Dieser Prozess war anstrengend, aber auch erfüllend zugleich“, führt die Künstlerin weiter aus. 

Auch weitere Bilder sind in der Färberei zu sehen:

Bild von Annette Jablonski         Bild von Annette Jablonski

Gerade in Corona-Zeiten hilft ihr das Malen sehr: „Malen ist alles. Ich gehe genau wie andere Leute auch arbeiten und habe dadurch einen erfüllten Alltag und sehe immer wieder, was ich geschafft habe. Das bringt mich durch diese Zeit. Und auch wenn ich eine Spastik habe, male ich mit Feingefühl. Beim Malen vergesse ich den Tag, die Zeit und was noch so um mich herum passiert. Quasi eine Auszeit von der Außenwelt“, erläutert Annette Jablonski. 

Veränderungsbedarf

Doch eine Auszeit ist selbstverständlich nicht immer möglich. An ihrem Wohnort in Düsseldorf stößt sie immer wieder auf Barrieren: „Einige Mitarbeiter*innen von öffentlichen Verkehrsmitteln unterstützen mich leider oftmals nicht. Seit Corona haben die Leute aufgrund der Abstandregelung leider auch Angst mir zu helfen.“

Generell sieht Annette Jablonski noch viel Veränderungsbedarf hinsichtlich einer inklusiven Gesellschaft: „Die Grundhaltung vieler Menschen, ob mit oder ohne Behinderung, führt leider immer wieder zum Ausschluss. Mehr Offenheit auf beiden Seiten wäre wichtig.“

Wer mehr über die Künstlerin erfahren möchte: https://anjablonski.wordpress.com/ 

Dreiteiliges Bild von Annette Jablonski: Ein Rollstuhlfahrer streckt seine Arme zu zwei anderen Personen aus.
Dreiteiliges Bild von Annette Jablonski: Ein Rollstuhlfahrer streckt seine Arme zu zwei anderen Personen aus.