Beitrag 3: Positive und herausfordernde Auswirkungen von KI auf Inklusion
Nach der Zeitreise zu KI im letzten Beitrag blicken wir im dritten Beitrag unserer Reihe auf ihre Auswirkungen. So bringt Künstliche Intelligenz eine Vielzahl von Möglichkeiten und Veränderungen mit sich. Diese haben sehr unterschiedliche Einwirkungen auf die Inklusion von Menschen mit Behinderung. KI wird bereits sehr positiv eingesetzt, um Inklusion deutlich voranzubringen. Gleichzeitig haben Funktionen aber auch problematische Begleiterscheinungen und Effekte, die reflektiert werden müssen. Nun möchten wir nicht nur auf die eine oder andere Seite blicken, sondern die Auswirkungen gemeinsam vorstellen. Denn KI hat viele Facetten zugleich.
Künstliche Intelligenz ist ein Werkzeug. In Bezug auf Inklusion kann sie eingesetzt werden, um individuell nach Bedarf Barrieren zu senken. Relativ bekannt sind beispielsweise Anwendungen, die den Zugang zu Informationen gemäß dem Zwei-Sinne-Prinzip erleichtern. So lassen sich etwa auf dem Videoportal Youtube Untertitel per KI dazuschalten. Dabei wird die gesprochene Sprache direkt erkannt und in Schrift umgewandelt. Lange mussten solche Funktionen manuell von Personen ohne Einschränkung erstellt oder ein Skript bereitgestellt werden. Allerdings bestehen hier aktuell auch noch Grenzen. So zeigen die automatisch erzeugten Untertitel oftmals keine Satzzeichen oder unterscheiden nicht zwischen sprechenden Personen. Damit sind Untertitel zwar endlich automatisch vorhanden, aber bisweilen recht unübersichtlich.
Ebenso werden von KI auch Informationen erkannt und per Ton beschrieben. Als Beispiel erfassen bestimmte Brillen mittels eingebauter Kamera und KI bereits geschriebene Texte und lesen sie per Lautsprecher vor. Diese Anwendungen richten sich zum Beispiel an Menschen mit Einschränkungen beim Sehen. Bei Interesse an dieser und ähnlichen Möglichkeiten folgt ein Link zu Hilfsmitteln bei Aktion Mensch e.V. (online): Bei Interesse an dieser und ähnlichen Möglichkeiten folgt ein Link zu Hilfsmitteln bei Aktion Mensch e.V. (online): https://www.aktion-mensch.de/inklusion/barrierefreiheit/hilfsmittel-fuer-blinde-menschen
Was diese Varianten von KI-Funktionen vereint, ist ein Gewinn an Selbstständigkeit. So wird die Abhängigkeit von menschlicher Assistenz durch zuschaltbare Funktionen ersetzt. Dabei ist der individuelle Bedarf ausschlaggebend und nicht die Verfügbarkeit anderer Personen.
Einschränkung abseits von Idealsituationen
Auch wenn die Beispiele einen großen Mehrwert zeigen, so bestehen in diesem Kontext auch negative Faktoren: KI-Systeme werden mit Daten trainiert. Diese Informationen sind bei allgemeinen Anwendungen auf Idealsituationen und „typische“ Nutzer*innen ausgelegt. Das heißt, dass eine Untertitelfunktion beispielsweise bei sehr schneller oder leiser Sprache nicht mehr so genaue Angaben macht. Dieser Faktor betrifft Menschen mit Sprachstörungen verstärkt.
Als Resultat weichen Untertitel ab oder die Sprachausgabe sagt Unbeabsichtigtes. Das ist hinderlich und frustrierend. Hier können neue Barrieren entstehen, wenn zum Beispiel Sprachfunktionen vorausgesetzt werden. Zudem werden Notfälle mit abweichenden Angaben gefährlicher. Insgesamt ist bei KI-Fehlern allerdings von einer immer geringeren Problematik auszugehen. Technische Verbesserungen, mehr und mehr Trainingsdaten sowie die Rückmeldung der Nutzer*innen reduzieren die Stellen, an denen falsche Ausgaben auftreten können.
Zwischen individuellem Lernen und Datenschutz
Weitere und sehr positive Auswirkungen von KI zeigen sich bei den Themen Bildung und Arbeit. Hier kann Künstliche Intelligenz genutzt werden, um Inhalte zu individualisieren und barriereärmer aufzubereiten. Als Beispiel werden komplexe Texte in die kostenlose Variante eines Chatbots wie ChatGPT kopiert. Dazu gibt man der KI die Anweisung den Inhalt zusammenzufassen oder in einfachere Sprache umzuwandeln. Hier der Link zum populären Bot: https://chatgpt.com/
Der vereinfachte Text steht nach wenigen Sekunden zur Verfügung. Damit reduziert die KI kognitive Aufgaben und öffnet Inhalte inklusiv. Sehr erfreulich ist zudem, dass auf diesem Weg die Inhalte an Menschen angepasst werden und nicht umgekehrt. Dies bietet viele Chancen und entspricht dem Grundgedanken der Inklusion.
In diesem Kontext dankte vor kurzem der Para-Biathlet Maksym Muraschkowsky ChatGPT. Muraschkowsky führte seine Silbermedaille bei den Winterspielen in Milano Cortina auf die Unterstützung durch die KI zurück. Er nutzte sie für seine Taktik und Motivation, den Trainingsplan und weitere Inhalte. Die Technologie sei „revolutionär“, aber bis auf Weiteres auch kein kompletter Ersatz für Menschen. Link zum Artikel bei DER SPIEGEL (online): https://www.spiegel.de/netzwelt/paralympics-2026-ukrainischer-biathlet-dankt-chatgpt-fuer-medaille-a-04982ca9-02f1-4e46-97e8-e827c4f7860a
Obwohl es Möglichkeiten der Anpassung gibt, ist gerade im Arbeitsumfeld die Intransparenz diverser KI-Anwendungen herausfordernd. So ist oft unklar, wie Künstliche Intelligenz ihre Entscheidungen trifft oder recherchiert. Diese Vorgänge beruhen auf hochkomplexen Algorithmen samt Herstellergeheimnis. Ohne Einsicht in die Prozesse und menschliche Prüfung besteht ein Spannungsfeld. Bereits jetzt ist kaum erklärbar, wie objektiv KI-Ergebnisse und wie fair ihre Quellenangaben sind.
Dazu kommen Datenschutz- und Überwachungsrisiken. KI verarbeitet gerade in Bezug auf Einschränkungen sehr sensible Informationen. Dabei erhalten Hersteller oder Einrichtungen gegebenenfalls Gesundheits- und Standortdaten oder Verhaltens- und Sprachmuster. Dies mag funktional notwendig sein, darf aber nie der Selbstbestimmung entgegenwirken. So regelt die EU-KI-Verordnung (AI Act), dass KI nicht Menschen klassifizieren oder das Verhalten von Personen beeinflussen darf.
KI in Kombination mit Hardware
Nach diesen Risiken besteht aber auch wieder ein großer Vorteil bei der Kombination von KI mit anderen Anwendungen. Mittels intelligenter Prothesen und Robotik-Assistenz kann sie ganz neue Möglichkeiten bieten, um Hilfsmittel viel effektiver einzusetzen. Beispielsweise ist KI in modernen Hörgeräten nicht mehr wegzudenken. Sie erfasst die Richtung, aus der die Geräusche kommen und fokussiert passend. Bei Handprothesen kann beispielsweise der Druck kalkuliert werden, um Gegenstände festzuhalten. Bei Interesse finden Sie dazu einen Beitrag in der Mediathek der ARD: https://www.ardmediathek.de/video/ndr-info/orthopaedietechnik-ki-steuert-neuartige-handprothese/ndr/Y3JpZDovL25kci5kZS8zODFiODY0OC02NGNiLTQxODktYTU1ZC1mNGJlMTM1ODYxYzQ
Verbunden mit der Ausstattung ist aber leider auch die digitale Kluft: Sie bezeichnet die soziale und wirtschaftliche Ungleichheit bei der Nutzung von digitalen Inhalten und Funktionen. Gute Funktionen können teuer sein und Endgeräte wie hochpreisige Smartphones voraussetzen. Hier bedarf es Kostenübernahmen sowie Fortbildungs- und Anpassungsmöglichkeiten. Zudem stellt eine gewisse digitale Kompetenz die Basis für die selbstbestimmte Nutzung von Funktionen dar.
Zusammenfassung der Auswirkungen
Nun haben wir eine Bandbreite an Auswirkungen vorstellt. Aufgrund der Größe des Themenfeldes handelt es sich aber nur um einen Auszug der Auswirkungen von KI rund um Inklusion. Zum Ende des Beitrags lässt sich aber insgesamt festhalten: KI wirkt bei der Inklusion von Menschen mit Behinderung positiv, indem sie Barrieren senkt und Teilhabe sowie Selbstständigkeit erhöht. Sie kann individuell auf den Bedarf abgestimmt werden und passt Systeme im Ideal an den Menschen an.
Auf der anderen Seite kann KI mit technischen Fehlern, undurchsichtigen Abläufen sowie der Voraussetzung von Ausstattung und Fähigkeiten auch Schwierigkeiten mit sich führen. Aktuell ist aber ein „Ja oder Nein“ zu Künstlicher Intelligenz kaum mehr entscheidend. KI ist bereits da und arbeitet in vielen digitalen Funktionen grundsätzlich im Hintergrund. Diesen gesamtgesellschaftlichen Prozess gilt es zu begleiten. Wichtig ist, wie KI entwickelt, eingeführt und eingesetzt wird. Fair und transparent ist sie ein Werkzeug, das die Möglichkeiten und Selbstbestimmung deutlich steigert und Inklusion fördert.
Wir freuen uns über Ihr Feedback

Nach unseren Punkten würde das KSL.Düsseldorf gerne erfahren, welche Erfahrungen Sie mit KI gemacht haben. Nutzen Sie Funktionen im Alltag oder bei der Arbeit? Sehen Sie bestimmte Anwendungen als besonders effektive Unterstützung bei Beeinträchtigungen? Gibt es Entwicklungen, die Sie positiv oder kritisch sehen? Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldung.
Kontaktieren Sie uns gerne und kommen Sie mit uns zum Thema „Künstliche Intelligenz und Inklusion“ ins Gespräch:
Telefon: 0152 0940 7318
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Abschließend folgt auch wieder ein Ausblick auf den nächsten Beitrag: In Zukunft planen wir konkrete Anwendungsbeispiele vorzustellen. Dabei möchten wir Erfahrungen zu spezifische KIs und ihren Einsatz rund um Einschränkungen vorstellen. Auf jeden Fall bleibt es ein sehr spannendes Themenfeld.
Gero Büskens, Projektmitarbeiter KSL.Düsseldorf, Experte Künstliche Intelligenz und Inklusion
Hier gelangen Sie zum ersten Beitrag „KI verstehen – von Funktion zu Inklusion“: https://ksl-duesseldorf.de/de/node/6837
Hier gelangen Sie zum zweiten Beitrag „Eine kleine Zeitreise zu KI und ihrem Einsatz als Unterstützung“: https://ksl-duesseldorf.de/de/node/6919
Hier gelangen Sie zur Themenkachel „KI und Inklusion“: https://ksl-duesseldorf.de/de/themen/189/kuenstliche-intelligenz-ki-und-inklusion