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03.02.2026
Schreibtisch mit Bildschirm

Beitrag 2: Eine kleine Zeitreise zu KI und ihrem Einsatz als Unterstützung 

Im Alltag ist KI für viele erst seit wenigen Jahren greifbar. So begleiten uns etwa Chatbots wie ChatGPT auf unseren Smartphones. Tatsächlich wird aber bereits seit Jahrzehnten rund um KI gearbeitet. An dieser Stelle sind diverse Funktionen gar nicht so neu wie vielleicht gedacht und auch der Einsatz für Inklusion ist seit Jahren real. Als Einstieg in die kleine Zeitreise rund um KI und Inklusion haben wir eine Übersicht vorbereitet.

KI und Inklusion: Dekadenschritte (Auswahl)

1956 – „KI“ als Begriff

Am Dartmouth College entsteht der Begriff „Artificial Intelligence“ (AI) > deutsch: „Künstliche Intelligenz“ (KI)

1966 – Erste Gesprächsmuster

Das frühe Gesprächsprogramm „ELIZA“ nutzt Muster, die wie ein Dialog wirken.

1994 – Bedienung per Sprache

Der Audio-Desktop „Emacspeak“ macht Computer per Sprachausgabe bedienbar.

1997 – Schachcomputer gewinnt

Der Schachcomputer „Deep Blue“ besiegt den Schachweltmeister Garri Kasparow.

2012 – Fortschritte der Bilderkennung

Technische Fortschritte der „AlexNet-Architektur“ beim Aufbau von KI machen Bilderkennungen viel schneller und zuverlässiger.

2017 – Inklusive Bilderkennung

Inklusive KI-Anwendungen wie „Seeing AI“ werden per Smartphone verfügbar. 

2017 – Fortschritte der Aufmerksamkeit

Weitere technische Fortschritte der „Transformer-Architektur“ verbessern die Fähigkeit von KI, aufmerksam zu sein. 

2022 – Chatbots im Alltag

KI wird als allgemeiner Chatbot (beispielsweise ChatGPT) verfügbar und zum großen Gesprächsthema.


Vor 1990: die Ursprünge des Begriffs KI und erste Tests

Darthmouth CollegeDie Wurzel hinter der Vorstellung, dass Maschinen menschliches Denken übernehmen, reicht bis in die 50er Jahre. Im Sommer 1956 trafen sich Forschende am Dartmouth College, einer der renommiertesten und ältesten Universitäten der USA. Sie besprachen die Zukunftsvision, dass Computer nicht nur rechnen, sondern Bedeutungen aus Informationen erfassen könnten. Um das Prinzip zu benennen, wurde der Begriff „Artificial Intelligence“ – zu Deutsch „Künstliche Intelligenz“ – geprägt.

Eine frühe Anwendung war das Gesprächsprogramm ELIZA im Jahr 1966. Grundsätzlich folgte dieses einem Frage‑Antwort‑Muster und simuliert unter anderem eine Psychotherapie. Dabei wurde eine Sammlung von Phrasen hinterlegt, um ein Gespräch zu typischen Themenfeldern logisch fortzuführen. Beispielsweise konnte eine Person ELIZA etwas zur eigenen Mutter erzählen. Das Programm hätte darauf Rückfragen mit Bezug zu der weiteren Familie gestellt.

ELIZA auf einem PCMit Blick auf heutige Möglichkeiten von KI zeigte ELIZA bereits einen wichtigen Faktor: Mittels natürlicher Sprache und der menschlich wirkenden Reaktion der Rückfragen fiel Nutzenden der Zugang einfacher. Da keine Einzeleingaben in spezialisierten Menüs, sondern menschliche Sätze eingesetzt wurden, sanken die Barrieren der Bedienung.

Dieses Prinzip der Erfassung von Informationen mit logischer Ableitung als Reaktion wurde über die nächsten Jahrzehnte immer weiterentwickelt. Allerdings blieben Fortschritte bis auf Weiteres in wissenschaftlichen Umfeldern und einem Fachpublikum vorbehalten.

Ab den 1990ern: ein Audio‑Desktop und Sieg beim Schachspiel

Ein Ansatz, um Menschen direkter zu erreichen und mit der Umwandlung von Daten Barrieren abzubauen, wurde 1995 mit Emacspeak veröffentlicht. Emacspeak ist eine Sprachausgabe bei Computern. Mit der Übersetzung von Zeichen in hörbare Sprache wird hier Bedienung mit Seheinschränkungen ermöglicht. Im Gegensatz zu klassischen Screenreadern, die lediglich den Bildschirminhalt vorlesen, war das Ziel, gesprochenes Feedback für alle Aktionen bereitzustellen.

Dabei beruhte Emacspeak auf dem Peer-Ansatz, da der Entwickler T. V. Raman seit seiner Jugend selbst erblindet ist. Der direkte Bezug zeigt sich auch in der Benennung von neuen Versionen der Software: In Anlehnung an Blindenführhunde erhält sie Hundenamen.

Garri Kasparow vor einem SchachspielRechner Deep BlueIn den 90ern wurde KI insgesamt deutlich bekannter. Als Beispiel schlug 1997 der Schachcomputer Deep Blue den Schachweltmeister Garri Kasparow. Auch wenn ein Schachspiel zulässt, dass nur klare Spielzüge berechnet werden müssen, zeigte sich hier das Potenzial: Der Computer kann enorme Fähigkeiten bei der Interaktion mit Menschen bereitstellen.

 

Nach 2000: große Fortschritte rund um KI

Nach dem Millennium beschleunigten technische Entwicklungen rund um die Herstellung von Computern enorm die Leistungsfähigkeit. Da auch sehr rechenintensive Ansätze möglich wurden, kam es 2012 zu einem Durchbruch in der Bilderkennung. Wie in unserem ersten Beitrag bereits beschrieben, gleicht KI bei der Bilderkennung Objekte mit Mustern aus ihrer Datenbank ab. Dank starker Prozessoren, großer Datensätze und viel Training wurden Bilderkennungen viel schneller und zuverlässiger. Ein Beispiel dafür ist die hohe Leistung der digitalen Architektur AlexNet. Sie klassifiziert erfasste Bilder und ermöglicht damit die Bilderkennung.

Dieser Fortschritt war sehr wichtig für die Barrierefreiheit mittels KI. Die Bilderkennung legt den Grundstein für viele wichtige Funktionen, die heute per Smartphone in der Hosentasche mitgetragen werden können. Ein Beispiel dafür ist Seeing AI von Microsoft. Seit 2017 kann die App mit der Smartphone‑Kamera erfasste Texte, Personen oder Gegenstände erkennen und per Ton passende Hinweise geben. Mit diesem Prinzip ermöglicht KI individuelle Assistenz und neue Unabhängigkeit von anderen Menschen.

2017 war grundsätzlich ein wichtiges Jahr für KI: Hier kam mit dem Transformer-Modell ein Baustein dazu, der heute in fast allen Funktionen steckt. Vereinfacht gesagt ist es eine Struktur von KI, die bei Daten wie geschriebenen Sätzen auf viele Stellen gleichzeitig achtet. Diese neue Aufmerksamkeit ermöglichte es KI zu gewichten, welche Wörter für ein anderes Wort gerade wichtig sind. Außerdem bleibt KI auch langfristig aufmerksam. Das bedeutet, dass Rückfragen passend verarbeitet werden.

Prozessor


Ab den 2020ern: Der Einzug von KI in den Alltag

In den letzten Jahren zog KI dann in den Alltag vieler Menschen ein. Diverse Fortschritte führten dazu, dass Anwendungen wie der Chatbot ChatGPT ab 2022 privat und kostenlos genutzt werden konnten. Wer KI wollte, brauchte nun weder Spezialprogramme noch Kontakte in die Forschung. Das Herunterladen einer App ermöglicht jetzt intuitive Recherche, Assistenz oder etwas in ganz anderen Zusammenhängen.

Die neue Verfügbarkeit von KI führt zu immer mehr Einsatzfällen. Als Beispiele bietet Google bei Suchen im Internet eine „Übersicht mit KI“ als Zusammenfassung der Ergebnisse. Bei Anrufen fragt KI hingegen erst nach dem Grund, um anschließend entsprechend weiterzuleiten. Inklusiv genutzt können beispielsweise Texte in verständlichere Sprache umformuliert werden. Hier gibt es etwa die kostenlose Übersetzungsfunktion des Fußballvereins FC St. Pauli aus dem Jahr 2023. Einfache Sprache - LogoWer dies selbst einmal ausprobieren möchte, kann den Link öffnen: https://einfachesprache.xyz 

Neben vielen neuen Funktionen werden bestehende Ansätze verfeinert und Fehlerquellen auf Basis vieler Tests behoben. Auch wenn viele Anwendungen noch nicht voll ausgereift sind, bieten sie bereits einen Mehrwert an individueller Unabhängigkeit.

Auch dadurch, dass KI inzwischen in aller Munde ist, nimmt die Anzahl an Forschungsprojekten und Datenquellen weiter zu. So erklärte etwa die Gesellschaft für deutsche Sprache „KI-Ära“ zum offiziellen Wort des Jahres 2025. In diesem Zusammenhang ist es nicht leicht, einen Blick in die Zukunft zu wagen. Gerade Entwicklungen in Bezug auf den technischen Fortschritt laufen oft wellenartig ab. Das heißt, dass ein neuer Baustein wie das Transformer-Modell auch einen neuen großen Impuls auslösen könnte. Insgesamt bleibt es spannend, wie sich KI in Zukunft entwickelt.

Abschluss und Ausblick auf den nächsten Beitrag

Nach dieser kleinen Reise durch Jahrzehnte der KI-Entwicklung fassen wir einmal zusammen: Insgesamt ist Künstliche Intelligenz nicht neu. In der Wissenschaft wird seit langem rund um die Grundidee, dass Maschinen ähnlich Menschen Aufgaben erfüllen, gearbeitet. Dabei sind KI und Inklusion nicht zwei getrennte Themen. Seit vielen Jahren entstehen Funktionen spezialisiert auf den Abbau von Barrieren, und auch in partizipativen Umfeldern. Neu ist hingegen die Verfügbarkeit im Alltag für Privatpersonen. Sie beruht auf technischem Fortschritt und sehr vielen Verbesserungen von Programmierungen im Hintergrund.

Fragezeichen, AusrufezeichenGerne würden wir vom KSL.Düsseldorf an dieser Stelle erfahren, welche Erfahrungen Sie bereits mit KI gemacht haben. Nutzen Sie bereits KI in Ihrem Alltag oder bei der Arbeit? Sehen Sie bestimmte Anwendungen als besonders effektive Unterstützung bei einer Beeinträchtigung? 

Kontaktieren Sie uns gerne und kommen Sie mit uns zum Thema „Künstliche Intelligenz und Inklusion“ ins Gespräch: 
Telefon: 0152 0940 7318
E-Mail: bueskens@ksl-duesseldorf.de

In etwa zwei Monaten planen wir einen Beitrag zu den positiven wie auch den herausfordernden Eigenschaften von KI. So haben wir bisher bereits von einem Mehrwert an individueller Unabhängigkeit gesprochen. Doch was heißt das genau? Und wie ist der Einfluss von KI auch kritisch zu reflektieren? So kann künstlich generierte Sprache etwa diskriminieren und Stereotype verwenden. Auf jeden Fall bleibt KI und Inklusion“ weiterhin ein sehr spannendes Themenfeld.

Gero Büskens, Projektmitarbeiter KSL.Düsseldorf, Experte Künstliche Intelligenz und Inklusion


Hier gelangen Sie zum ersten Beitrag der Reihe: https://ksl-duesseldorf.de/de/node/6837 

Hier gelangen Sie zur Themenkachel „KI und Inklusion“: https://ksl-duesseldorf.de/de/themen/189/kuenstliche-intelligenz-ki-und-inklusion